| ... sei, hatte in Griechenland einen Sinn, nicht
aber in Rom. Die grobe Allegorisierung und sittliche Purifizierung, wie sie der
stoischen Goetterlehre eigen war, verdarb den besten Kern der hellenischen
Mythologie; aber die auch in ihrer naiven Zeit duerftige plastische Kraft der
Roemer hatte nicht mehr erzeugt als eine leichte, ohne sonderlichen Schaden
abzustreifende Umhuellung der urspruenglichen Anschauung oder des
urspruenglichen Begriffes, woraus die Gottheit hervorgegangen war. Pallas Athene
mochte zuernen, wenn sie sich ploetzlich in den Begriff des Gedaechtnisses
verwandelt fand; Minerva war auch bisher eben nicht viel mehr gewesen. Die
supranaturalische stoische und die allegorische roemische Theologie fielen in
ihrem Ergebnis im ganzen zusammen. Selbst aber wenn der Philosoph einzelne
Saetze der Priesterlehre als zweifelhaft oder als falsch bezeichnen musste, wie
denn zum Beispiel die Stoiker, die Vergoetterungslehre verwerfend, in Hercules,
Kastor, Pollux ... |