| ... ein Trost, daß es die allgemeine Sündhaftigkeit
ist, welche auch in ihm sich regt, daher er auch von
dem allgemeinen Heile nicht ausgeschlossen ist. Dieser
Trost kann ja nur ein religiöser sein; und wer etwa
wähnt, auf irgend einem andern Wege, z.B. durch ästhetische
Verflüchtigung, dazu gelangt zu sein, der
hat sich selbst betrogen und besitzt den Trost eigentlich
gar nicht. In gewissem Sinne beweist daher die
Zeit einen sehr richtigen Takt, wenn sie das Individuum
für alles selbstverantwortlich machen will. Aber
leider thut sie's nicht ernst und innerlich genug, was
eben ihre Halbheit ist. Sie ist selbstklug genug, um
die Thränen der Tragödie zu verschmähen, aber auch
selbstklug genug, um der Barmherzigkeit entbehren
zu wollen. Und was ist doch, sobald man diese zwei
Dinge fortnimmt, das Menschenleben? was ist das
Menschengeschlecht? – Entweder also die Wehmut
des Tragischen, oder das ernste Leid der Religion und
ihre um so tiefere Freude. Oder ist nicht der charakte... |